Zwischendurch: Fiaker Hupferl beim Bezirksgericht

 
Hier können Sie das Projekt “dort! Jüdisches Wien” unterstützen:
http://www.respekt.net/projekte-unterstuetzen/details/projekt/621/

Und hier ist das Projekt:
http://juedisches-wien.dort.pw

Heinrich Eisenbach war einer der bedeutendsten Kabarettisten und Groteskkomiker Wiens zur Jahrhundertwende und Star des Kabarettensembles Budapester Orpheumgesellschaft. Unter anderen hat Karl Kraus ihn sehr geschätzt. Von 1915 bis 1924 war Heinrich Eisenbachs Truppe im Kabarettlokal „Max und Moritz“ im Wiener St. Annahof zu Hause. Warum ich Ihnen das erzähle? Sie finden die folgende historische Schallplattenaufnahme Heinrich Eisenbachs in dem audiovisuellen Guide „dort! Jüdisches Wien“ auf http://juedisches-wien.dort.pw. Diesen Guide zu erstellen kostet Zeit und Geld. Zeit ist vorhanden. Geld können Sie auf http://www.respekt.net/projekte-unterstuetzen/details/projekt/621/ beisteuern. Ob €5,-, €10,-, € 15,- oder € 50,- bleibt Ihnen überlassen. Jeder Betrag hilft und wird dankend angenommen.

Richter: Also, die Klage gegen den Fiaker Ferdinand Huber, genannt “Der Herr Hupferl” lautet, dass derselbe am 28. Mai auf seinem Standplatz dem Platzagenten Moritz Kupfer grundlos eine Ohrfeige versetzt hat, so dass Kupfer sofort zu Boden fiel und vier Wochen krank gelegen ist. Die Anklage lautet auf Körperverletzung. Der Angeklagte Huber soll vortreten. Huber, wie heißen Sie?

Hupferl: Sie wissen’s ja eh, Herr kaiserlicher Rat!

Richter: Aber ich will es von Ihnen hören!

Hupferl: Ferdl Huber.

Richter: Alt?

Hupferl: Nein, jung!

Richter: Wie alt Sie sind, will ich wissen, Donnerwetter!

Hupferl: 31 Jahre!

Richter: Geboren?

Hupferl: Natürli, odar glauben S’ vielleicht, dass mi dar Esel im Galopp valurn hot?

Richter: Seien Sie nicht so frech! Wo Sie geboren sind, will ich wissen!

Hupferl: In Wean, des is doch söbstvarständlich!

Richter: Katholisch?

Hupferl: Na natirlich! Vielleicht isaralitisch, wos?

Richter: Verheiratet?

Hupferl: Nein, ich habe ein Mädchen, und dieses Mädchen hat ein offenes Geschäft.

Richter: Sind Sie vorbestraft?

Hupferl: 512 Mal, wegen Virispritzn.

Richter: Na, was heißt denn das: virispritzn?

Hupferl: Na schnö fahrn!

Richter: Also sprechen Sie anständig und sprechen Sie hier deutsch!

Richter: Moritz Kupfer!

Kupfer: Hier, bitte!

Richter: Also, erzählen Sie uns den Sachverhalt!

Kupfer: Also, Herr Richter, ich geh so mit mein Musterkoffer, ich hab nämlich sehr preiswerte Artikel: Brieftaschen, Nogelscheren, Federmesserl mit drei Klingen, Scher, Ohrlöffel, alles zusammen um drei Kronen fuffzig, bitte schaun Sie, Herr Richter, wie scheen, ich geb’s Ihnen um drei Kronen!

Richter: Das gehört nicht hierher!

Kupfer: Also komm ach zu Ihnen in die Wohnung, vielleicht braucht die Frau Gemahlin a scheenes Börsl. Oder feines Puder hab ich auch!

Richter: Jetzt sein Sie hier endlich ruhig, wir sind doch nicht hier am Tandelmarkt! Erzählich Sie, wie sich die ganze Sache zugetragen hat!

Kupfer: Also ich geh beim Fiakerstandplatz voriber, auf amol stehn mehr solche Schkozem (Mz von Schegez: ungehobelter Mensch) dorten, sogt er zu mir: “Sie Saujud!” Natirlich heb ich die Hand auf, und er gebt mir a so e Frass (Schlag), dass mer der Hut bis zum zweiten Stock in e fremde Wohnung ereingeflogen und beim Dachfenster erausgeflogen is. Was dann war, waaß ach nicht mehr, weil ach nach vier Wochen erst aus’m Spitol gekommen bin.

Richter: Aber das ist doch eine Rohheit. Ja warum haben Sie das getan, Huber?

Hupferl: Entschuldigen, na weil er a Jud is!

Richter: Aber das ist doch kein Grund?

Hupferl: Oh ja, ich habe gehört, die Juden ham unsern Herrgott kreuzigt!

Richter: Ja, aber das war doch vor neunzehnhundert Jahren!

Hupferl: Pardaun, Herrr kaiserlicher Rat, i hab’s erst vurigen Monat derfahrn!

dort! Jüdisches Wien

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